Ögussa HOME Edelmetallhandel Incentives Edelmetallankauf Galvanik Lottechnik Technische Metalle Schmuckmetalle Standort Wir über uns HOME

        

WIRTSCHAFTSBLATT 29. April 2011
"Das Rückschlagspotenzial bei Gold halte ich für begrenzt"

Hier können sie den Artikel herunterladen (PDF)

GOLD. Warum die Produktion von Barren auf Hochtouren läuft und die Hausse weiter anhalten dürfte, erklärt Ögussa-Geschäftsführer Marcus Fasching

Der Goldpreis eilt von einem Hoch zum nächsten. Wird hier nur an den Börsen spekuliert, oder spüren auch Sie den Aufwind?

MARCUS FASCHING: Tatsächlich verkaufen wir schon seit 2008 große Mengen an Goldbarren. Eigentlich rechneten wir damit, dass viele Kunden ihre Bestände längst wieder veräußern würden, um Gewinne mitzunehmen. Stattdessen wird zunehmend Schmuck zum Verkauf zu uns gebracht. Den schmelzen wir ja ein, um neue Goldbarren herzustellen. Sonderschichten, wie wir sie im 4. Quartal 2008 einlegten, müssen wir zwar nicht mehr machen. Trotzdem ist die Nachfrage nach Barren immer noch dreimal so hoch wie vor der Lehman-Krise. Und da reden wir von jährlich mehreren Tonnen.

 

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Offenbar sorgen sich die Menschen nach wie vor über das wirtschaftliche Umfeld. Das trifft nicht nur auf Österreich zu. Insgesamt wird weltweit beim gelben Edelmetall zugelangt. Aber in Europa liegt natürlich schon ein großer Schwerpunkt. Der Kontinent wird immer noch von Erinnerungen an Zeiten der massiven Geldentwertung geprägt. Und es kaufen nicht nur Privatkunden, sondern beispielsweise auch immer mehr Notenbanken, vor allem in Asien. Und in Europa bremsten die Notenbanken ihre Verkäufe stark ein.

 

Welche Barrengröße wird am meisten nachgefragt?

Bis zu einem Betrag von 15.000€ kann man anonym kaufen. Deshalb wird gerne auf den Viertelkilobarren zugegriffen, der aktuell einen Gegenwert von rund 9000 Euro hat. Mit diesen Größen kann man auch leicht reisen, was für manche Kunden ein wichtiges Kriterium ist. Der Aufschlag zum jeweils aktuellen Goldpreis liegt bei dieser Größe bei 26€ .Beim Kilobarren ist er relativ gesehen geringer und beträgt 40€.

 

Und wie schaut die Lage bei anderen Edelmetallen aus?

Weil der Silberpreis zuletzt besonders kräftig gestiegen ist, haben wir sehr viel Altschmuck aus Silber zum Ankauf bekommen. Und für Anleger gibt es freilich auch Silberbarren zu kaufen. Hier wird ebenfalls gerne bei den Viertelkilobarren zugelangt. Der Aufschlag ist aber weit geringer als bei jenen aus Gold, da die Zwischenfinanzierung bei Silber niedriger ist. Schließlich kostet die Unze weniger, deshalb verrechnen wir insgesamt geringere Fertigungskosten. Weiters gibt es Barren aus Platin oder Palladium. Bei allen drei Metallsorten fällt aber eine 20-prozentige Umsatzsteuer beim Kauf an. Zudem gibt es für letztere zwei Metalle kaum eine Barrennachfrage. Die Preise hängen stark von der Automobilindustrie ab. Denn mehr als die Hälfte des Angebots wandert in die Herstellung von Katalysatoren, weshalb die Börsenotierungen während der Krise im Jahr 2008 kräftig abstürzten. Platin-und Palladiumbarren fertigen wir daher nur auf Anfrage an, und man muss mit längeren Wartezeiten rechnen.

 

Gibt es auch exotische Barren, beispielsweise aus Rhodium?

Nein, die gibt es nicht. Dazu wäre der Markt viel zu eng, und man könnte das Produkt nicht wirklich weiterverkaufen. Zudem wird Rhodium in Form von Pulver gehandelt. Und es werden beispielsweise Legierungen daraus gemacht. Barren wären da nicht verwertbar.

Weshalb eigentlich Schmuck zum Einschmelzen bringen, um sich Goldbarren nach Hause zu nehmen. Die "Umwandlung" kostet ja einiges an Spesen...

Nicht immer sind Käufer und Verkäufer die gleichen Kundenkreise. Dennoch werden Goldbarren als Wertsicherungsinstrument bevorzugt, da sie weltweit relativ einfach zu verkaufen sind, und das zu standardisierten Kursen, die an der Börse festgelegt werden. Beim Schmuckhandel braucht man einen ehrlichen Geschäftspartner. Gerade im aktuellen Umfeld gibt es immer mehr Trittbrettfahrer, die den Schmuck zu 20 oder 30 Prozent des wahren Wertes abkaufen. Noch schwieriger wird der Verkauf von Schmuck, wenn man dringend seinen Notgroschen liquidieren muss. Schmuck hat man eben, weil er schön ist. Für den Werterhalt sind hingegen Goldbarren aber auch Münzen sinnvoller.

 

Tatsächlich müssen Sie einiges Skurriles beim Ankauf erleben?

Es gibt auch das sogenannte Blattgold, das man zur Vergoldung beispielsweise von Statuen verwendet. Davon braucht man aber wirklich nur winzige Mengen. Eine Kundin kam eines Tages zu uns mit ein paar Gramm an Blattgold, das sie uns verkaufen wollte. Doch dafür konnten wir realistischerweise keinen Rücknahmepreis stellen, da die Menge derart winzig war. Und zwar so gering, dass man eventuell gerade noch Pralinen damit überziehen könnte, was einige Bäcker ja manchmal machen, wie wir der Kundin mitteilten. Daraufhin dürfte sie sich derart geärgert haben, dass sie das Blattgold gleich vor Ort und Stelle verzehrt hat. Wobei manche Menschen dem Gold tatsächlich positive Eigenschaften nachsagen. Bei Silber ist die antibakterielle Wirkung jedenfalls nachgewiesen.

 

Mit wie viel Schmuck werden Sie eigentlich täglich "behängt"?

Im Schnitt bekommen wir einen Gegenwert von rund 500€ pro Person. An manchen Tagen kommen derzeit bis zu 200 Kunden in eine unserer Filialen. Es werden aber auch alte Goldzähne und sogar ausrangierte Gebisse zu uns gebracht. Dieses Geschäft kann man aber nicht anonym abwickeln. Hier müssen wir die Ausweisdaten aufnehmen, um sicherzugehen, dass der Verkäufer beispielsweise nicht minderjährig ist, und um uns auch möglichst gegen Diebesgut zu schützen. Zusätzlich kaufen wir extern zu. Dabei sind wir sowohl mit den Börsen eng in Verbindung, verarbeiten aber auch Altedelmetalle etwa aus Klärschlamm, verbrauchten Fotoabwässern oder Kehricht. Denn man darf Folgendes nicht übersehen: In einem 14-karätigen Schmuck ist nur 58,8 Prozent Gold enthalten. Das kann man also nicht einfach einschmelzen und zu einem Barren formen. Man muss außerdem eine spezielle Chemie beim Einschmelzen dazumischen und den Schmuck völlig auflösen. Immerhin hat ein Barren vergleichsweise eine Reinheit von 99,99 Prozent.

 

Zurück zur aktuellen Goldhausse: Ist der aktuelle Auftrieb nachhaltig oder nur ein Strohfeuer?

Genaue Preisprognosen sind immer schwer zu treffen, zumindest schließe ich einen Totalverlust aus. Und selbst das Rückschlagspotenzial halte ich für begrenzt. Schließlich sehe ich derzeit auch kein rasches Abebben bei der Nachfrage, die selbst aus der Schmuckindustrie auf hohem Niveau verharrt. Das trifft nämlich selbst auf Länder wie China und Indien zu, wo die Schmuckkäufer sehr preissensibel sind. Außerdem können immer weniger Länder, wie etwa Südafrika, ihre bisherigen Förderniveaus halten. Ich denke daher, dass man einen Teil seines Vermögens, zwischen fünf und zehn Prozent, auf jeden Fall in Gold halten sollte. Denn ich sehe diese Anlage als eine langfristige Diversifizierung für schwierige Zeiten. Wer schon zugelangt hat, braucht daher nicht länger auf die weitere Kursentwicklung zu schielen.

 

Zur Person

Marcus Fasching. Seit rund 20 Jahren ist Marcus Fasching, Geschäftsführer der mittlerweile belgischen Umicore-Tochter Ögussa (Österreichische Gold-und Silber-Scheideanstalt), für den Gesamtkonzern im Einsatz. Anfangs als Leiter des Controllings der ehemaligen Degussa Austria-Gruppe tätig, wechselte der Betriebswirt Mitte der 1990er-Jahre in den Edelmetallbereich nach Frankfurt am Main. Inzwischen ist der 1966 geborene Manager seit mehr als zehn Jahren bei Ögussa in Wien tätig, zuerst als Vertriebsleiter, seit der Jahrtausendwende als oberster Chef

Stand: 09.05..2011
 
© 2009 Ögussa - Österreichische Gold- und Silber-Scheideanstalt Ges.m.b.H., A-1235 Wien, Tel. +43 / 1 / 866 46-0, e-mail:office@oegussa.at